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Ausgabe 12


Vorwort

Die Sozialsysteme fahren gegen die Wand. Diese These diskutierten wir bereits vor drei Jahren einen ganzen Abend während eines Frankreich-Urlaubs.

Die Bereiche Gesundheit, Altersvorsorge und Arbeit wurden zu Beginn der Industrialisierung durch Gesetze vom Staat geregelt und im Laufe der Zeit von den Sozialpartnern immer mehr ausgebaut.

Über den Dächern von Bietigheim Diese Maßnahmen waren nach dem Zerbrechen der dörflichen Sozialstrukturen eine absolute Notwendigkeit. Bei den großen Lebensrisiken konnte und durfte man nicht jeden seinem Schicksal überlassen. Allerdings gibt es - wie bei allem - Vor- und Nachteile. Es scheint so, dass die Rundum- Absicherung durch den Staat und seiner Institutionen die Eigenverantwortung für unser Leben überdeckelt hat. Wir brauchen wieder eine direktere, spürbare Reaktion auf unser Tun und Handeln.

Die Basis dazu wäre, wieder in kleineren Einheiten zu denken, agieren, zu leben. Es muss ja nicht bis zum Einzelkämpfer der »Ich-AG« gehen. Das Pendel vor allem in der Wirtschaft ist zu lange in Richtung Wachstum um jeden Preis, expandieren als fast einziges Unternehmensziel, Globalisierung auf allen Ebenen, ausgeschlagen. Marktwirtschaft ist der Maßstab allen Handelns geworden. Nicht mehr der Mensch, die Schöpfung steht im Mittelpunkt unseres Weltbildes. Selbst in der Medizin, Landwirtschaft, Städtebau sind Technikgläubigkeit, Machbarkeit, Rendite die fast einzig vorgegebenen Leitlinien

Und jetzt? Warten auf die Agenda 2010, auf die CDU, auf George W. Bush, auf die Deutsche Bank, die Kirchen, den Gemeinderat, meinen Arzt oder Apotheker, den Elternbeirat, Greenpeace, die nächste Generation - oder einfach etwas tun.

Schaut mal den Kindern auf einem großen, frisch aufgeschütteten Erdhaufen beim Spielen, Graben, Buddeln, Gestalten zu. Seht mal die roten Backen, die leuchtenden Augen, diese friedvolle Bettmüdigkeit nach einem Kindergartentag im Wald.

Dagegen diese Händeleien im mit Spielsachen vollgestopften Kindergarten-Areal mit seiner frustrierend langweiligen TÜV-geprüften Rutsche und nach DIN-Vorschrift gebauten Schaukel. Von den eher Zuchthäusern ähnelnden Gebäuden, in die wir die Kinder danach zur Schule schicken gar nicht zu reden.

An diesen Beobachtungen wird exemplarisch klar, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegen muss: Ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in überschaubaren Einheiten wieder näher und im Einklang mit der Natur.

Wir könnten diese Neuausrichtung projektbezogen angehen. »Das Dorf« wäre ein guter Name.

In kleineren Gemeinschaften, wie in einem Dorf, ist sehr viel schneller zu erkennen und zu spüren, wie Entscheidungen sich im Alltag auswirken. Da müssen wir uns wieder hinbewegen. Nicht detailgetreu wie vor hundert Jahren, nicht kopierend bei anderen Kulturen, nicht dogmatisch.

Aber jeder noch so kleine Schritt, der uns weniger abhängig, der uns mehr autark macht, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Die Zeit ist reif. Nicht nur für staatlich verordnete Reformen und Veränderungen, sondern für eine Erneuerung auf allen Gebieten von unten -von uns selbst.

So wie das berühmte letzte gallische Widerstandsdorf müssen auch wir uns wieder zusammenfinden - unsere Römer haben zwar andere Namen aber die gleichen Absichten - Macht und Kontrolle über alles und jeden.

Es gibt zu viele, die nicht mehr warten wollen. Die ihr Leben wieder selbst und nicht mehr nur aus zweiter Hand, verwaltet vom Kindergarten bis zum Altersheim, leben wollen. Sie alle wohnen gedanklich schon im Projekt »Das Dorf« und die Besenwirtschaft als Marktplatz dieser Gedanken und Gefühle mittendrin.

Damit wieder ein herzliches Willkommen im »Besa im Städtle"

Portrait Franz      Signatur

Euer Franz Muck