Die Sozialsysteme fahren gegen die Wand. Diese
These diskutierten wir bereits vor drei Jahren einen
ganzen Abend während eines Frankreich-Urlaubs.
Die Bereiche Gesundheit, Altersvorsorge und Arbeit
wurden zu Beginn der Industrialisierung durch Gesetze
vom Staat geregelt und im Laufe der Zeit von den
Sozialpartnern immer mehr ausgebaut.

Diese Maßnahmen waren nach dem Zerbrechen der
dörflichen Sozialstrukturen eine absolute
Notwendigkeit. Bei den großen Lebensrisiken konnte
und durfte man nicht jeden seinem Schicksal
überlassen. Allerdings gibt es - wie bei allem - Vor- und
Nachteile. Es scheint so, dass die Rundum-
Absicherung durch den Staat und seiner Institutionen
die Eigenverantwortung für unser Leben überdeckelt
hat. Wir brauchen wieder eine direktere, spürbare
Reaktion auf unser Tun und Handeln.
Die Basis dazu wäre, wieder in kleineren Einheiten zu
denken, agieren, zu leben. Es muss ja nicht bis zum
Einzelkämpfer der »Ich-AG« gehen. Das Pendel vor
allem in der Wirtschaft ist zu lange in Richtung
Wachstum um jeden Preis, expandieren als fast
einziges Unternehmensziel, Globalisierung auf allen
Ebenen, ausgeschlagen. Marktwirtschaft ist der
Maßstab allen Handelns geworden. Nicht mehr der
Mensch, die Schöpfung steht im Mittelpunkt unseres
Weltbildes. Selbst in der Medizin, Landwirtschaft,
Städtebau sind Technikgläubigkeit, Machbarkeit,
Rendite die fast einzig vorgegebenen Leitlinien
Und jetzt? Warten auf die Agenda 2010, auf die CDU,
auf George W. Bush, auf die Deutsche Bank, die
Kirchen, den Gemeinderat, meinen Arzt oder
Apotheker, den Elternbeirat, Greenpeace, die nächste
Generation - oder einfach etwas tun.
Schaut mal den Kindern auf einem großen, frisch
aufgeschütteten Erdhaufen beim Spielen, Graben,
Buddeln, Gestalten zu. Seht mal die roten Backen, die
leuchtenden Augen, diese friedvolle Bettmüdigkeit
nach einem Kindergartentag im Wald.
Dagegen diese Händeleien im mit Spielsachen
vollgestopften Kindergarten-Areal mit seiner
frustrierend langweiligen TÜV-geprüften Rutsche und
nach DIN-Vorschrift gebauten Schaukel. Von den eher
Zuchthäusern ähnelnden Gebäuden, in die wir die
Kinder danach zur Schule schicken gar nicht zu reden.
An diesen Beobachtungen wird exemplarisch klar, in
welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegen
muss: Ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in
überschaubaren Einheiten wieder näher und im
Einklang mit der Natur.
Wir könnten diese Neuausrichtung projektbezogen
angehen. »Das Dorf« wäre ein guter Name.
In kleineren Gemeinschaften, wie in einem Dorf, ist
sehr viel schneller zu erkennen und zu spüren, wie
Entscheidungen sich im Alltag auswirken. Da müssen
wir uns wieder hinbewegen. Nicht detailgetreu wie vor
hundert Jahren, nicht kopierend bei anderen Kulturen,
nicht dogmatisch.
Aber jeder noch so kleine Schritt, der uns weniger
abhängig, der uns mehr autark macht, ist ein wichtiger
Schritt in die richtige Richtung.
Die Zeit ist reif. Nicht nur für staatlich verordnete
Reformen und Veränderungen, sondern für eine
Erneuerung auf allen Gebieten von unten -von uns
selbst.
So wie das berühmte letzte gallische Widerstandsdorf
müssen auch wir uns wieder zusammenfinden - unsere
Römer haben zwar andere Namen aber die gleichen
Absichten - Macht und Kontrolle über alles und jeden.
Es gibt zu viele, die nicht mehr warten wollen. Die ihr
Leben wieder selbst und nicht mehr nur aus zweiter
Hand, verwaltet vom Kindergarten bis zum Altersheim,
leben wollen. Sie alle wohnen gedanklich schon im
Projekt »Das Dorf« und die Besenwirtschaft als
Marktplatz dieser Gedanken und Gefühle mittendrin.
Damit wieder ein herzliches Willkommen im »Besa im
Städtle"
Euer Franz Muck